Österreichischer Berufsverband
für Kinesiologie

Impuls-Magazin Nr. 47 Jänner 2022

Aktuelle Ausgabe des IMPULS – Kinesiologie Magazins

IMPULS 47 – Es hat diesmal „Freiheit“ zum Thema.

Nehmen wir uns die Freiheit, grenzenlos frei zu sein
in einer begrenzten Welt

Klingt ja richtig gut: Alles redet von Freiheit, alles bemüht sich, frei zu sein und sich die Freiheit, dort wo sie fehlt, zu erarbeiten.
Über dem Himmel muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Wir würden uns frei wie ein Vogel fühlen, wenn wir doch fliegen könnten. So aber müssen wir jeden Tag um die Freiheit kämpfen, nach der wir uns sehnen. Wir sehen entsetzt in so manches Land auf dieser Welt, wo die Freiheit und die Menschenrechte mit Füßen getreten werden.

Sieht man sich im Internet auf der Seite des BM für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort (österreich.gv.at) um, so stößt man bezüglich des Begriffs „Freiheit“ auf Grundrechte, die jedem Staatsbürger zustehen und in der Erklärung gleich einige Male auf explizit ausgedrückte Freiheiten, die uns als Staatsbürger und Staatsbürgerinnen zugesprochen werden. Das heißt, dass wir ein verfassungsmäßig garantiertes Recht auf Freiheit(en) haben.
Doch Freiheit, als Begriff zur näheren Definition in den Raum gestellt, wird von jedem von uns individuell – aus den eigenen Blickwinkel – fokussiert und wahrgenommen. Wir alle arbeiten daran, die Voraussetzungen schaffen, frei zu sein: frei von gesellschaftlich Zwängen und Konventionen, frei von den einengenden Zwängen unseres Körpers und auch frei von wirtschaftlichen Sorgen. – In der Werbung heißt es sogar, dass sie meine Sorgen haben möchten. Bedeutet das dann für mich das Ende aller meiner Freiheitskämpfe? Oder beginnen dann neue auf anderen Ebenen?
Ich möchte mir (wenigstens) die Freiheit behalten, meine eigenen Sorgen haben zu dürfen. Diese Freiheit nehme ich mir heraus. Ich möchte auch meine eigene Lebensgeschichte tragen dürfen und nicht die meines Nachbarn.

Klingt für mich alles so, als wäre grenzenlose Freiheit eine Illusion. Definiert sich Freiheit als grenzenlos oder um das Bewusstsein von Begrenzungen bzw. eines Rahmens, innerhalb der wir uns frei nach der Decke strecken können?

Bei näherem Nachdenken eigentlich ja alles ein Widerspruch in sich …
Die Artikel, die wir in unserer neuen Impuls Kinesiologie veröffentlichen dürfen, spiegeln die ganze Breite des Freiheitsbegriffs, auch diese Widersprüche wider. Freiheit, wie sie jeder von uns in seinem eigenen Sinn sieht. Freiheit, wie sie uns wichtig ist und was jeder von uns darunter versteht. Unseren Raum zu definieren, unsere „Domäne“ als Ausdruck unseres Ich.
Wir bauen uns unsere eigenen vier Wände mit einem Dach auf und spannen drum herum einen Zaun. Unser Revier abzustecken ist uns ganz wichtig, um innerhalb davon unsere Freiheit zu leben. Diese Grenzen zu lasch zu ziehen oder uns übertrieben wie mit Stacheldraht abzusichern, gerät in beiden Richtungen aus der Balance. Diese Balance zu finden ist unsere große Aufgabe.

Wer die einleitenden Worte in den letzten Ausgaben des Impuls Kinesiologie gelesen hat, kann bemerken, dass ich immer wieder auf den Begriff der „Balance“ komme, ein für uns sehr wichtiges Wort.
Ich hoffe, dass auch in dieser Ausgabe des Impuls Kinesiologie die Balance und Ausgewogenheit sichtbar wird, die wir KinesiologInnen in unserer Arbeit leben wollen. Komplexe Dinge auch komplex zu sehen und in dieser Vernetztheit zu denken und zu handeln.

In diesem Sinne haben viele Autoren und Autorinnen ihre kleinen grauen Zellen angestrengt und wertvolle Zeilen geschrieben zu diesem Thema, das uns alle angeht und das so individuell ist wir Menschen nur sein können.

Mögen Sie beim Lesen der neuen Ausgabe des Impuls Kinesiologie diese grenzenlose Freiheit, die Freiheit im Geist spüren …

 

Mag. Christian Dillinger

(Vorstand des ÖBK)